Chronik von Seewalchen: Unterschied zwischen den Versionen
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'''Bis 1972 war die Volksschule, dann von 1973 bis 1983 die Hauptschule und seit 1991 ist die Landesmusikschule in diesem Haus untergebracht.'''<br /> | '''Bis 1972 war die Volksschule, dann von 1973 bis 1983 die Hauptschule und seit 1991 ist die Landesmusikschule in diesem Haus untergebracht.'''<br /> | ||
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[[Friedrich Paulick]] (1824 -1904), k.u.k. Hoftischler, erbaute sich 1877 in Seewalchen eine [[Villa Paulick|Villa]], die er zu einer Sehenswürdigkeit ausgestaltete. <br />Die Pläne stammten von den Wiener Architekten Professor Rudolf Feldschareck und Professor Karl Könige. | [[Friedrich Paulick]] (1824 -1904), k.u.k. Hoftischler, erbaute sich 1877 in Seewalchen eine [[Villa Paulick|Villa]], die er zu einer Sehenswürdigkeit ausgestaltete. <br />Die Pläne stammten von den Wiener Architekten Professor Rudolf Feldschareck und Professor Karl Könige. | ||
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*Vom 1.-29. Dezember herrscht große Kälte, der [[Attersee (Eis)|Attersee]] ist bei 16 Grad R (=Reaumir) zugefroren.<br /> | *Vom 1.-29. Dezember herrscht große Kälte, der [[Attersee (Eis)|Attersee]] ist bei 16 Grad R (=Reaumir) zugefroren.<br /> | ||
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[[Bild:RZ_seewalchen_1880.jpg| | [[Bild:RZ_seewalchen_1880.jpg|mini|Seewalchen um 1880 <br />Die Villen Schmidt, Paulick und Christ sind zu sehen, das Eschenhaus steht noch nicht.]] | ||
*11.11.1880: Die öffentliche Armenpflege erfolgt nun an Stelle der Pfarrgemeinde durch die politische Gemeinde. Armenvater wird Josef Mayr, Seewalchen 49 (Koaser, Hauptstraße 7). | *11.11.1880: Die öffentliche Armenpflege erfolgt nun an Stelle der Pfarrgemeinde durch die politische Gemeinde. Armenvater wird Josef Mayr, Seewalchen 49 (Koaser, Hauptstraße 7). | ||
*Im Jahre 1879/80 tritt in den ganzen mitteleuropäischen Staaten die Krebspest auf, sodass im Jahre 1880 in allen Gewässern die Krebse aussterben. Erst durch Legen neuer Brut ist wieder ein neuer Nachwuchs entstanden, welcher jedoch an den früheren Stande nicht heranreicht. | *Im Jahre 1879/80 tritt in den ganzen mitteleuropäischen Staaten die Krebspest auf, sodass im Jahre 1880 in allen Gewässern die Krebse aussterben. Erst durch Legen neuer Brut ist wieder ein neuer Nachwuchs entstanden, welcher jedoch an den früheren Stande nicht heranreicht. | ||
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* Gemeindevorsteher 1891-1894: Josef Moser, Bauer in Staudach 3. | * Gemeindevorsteher 1891-1894: Josef Moser, Bauer in Staudach 3. | ||
* In der Zeit vom 17. auf den 18. Jänner 1891 friert der Attersee infolge der grimmigen Kälte zu und bleibt durch 70 Tage als Eisfläche, so dass mit beladenen Fuhrwerken am See gefahren werden kann. | * In der Zeit vom 17. auf den 18. Jänner 1891 friert der Attersee infolge der grimmigen Kälte zu und bleibt durch 70 Tage als Eisfläche, so dass mit beladenen Fuhrwerken am See gefahren werden kann. |
Version vom 19. März 2025, 19:01 Uhr
Die Chronik der Jahre ... |
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1851-1880 | 1881-1900 | 1901-1920 | 1921-1940 | 1941-1960 | 1961-1970 | 1971-1980 |
Aus der Chronik der Marktgemeinde Seewalchen am Attersee. (Übersicht)

Vorwort
1927 regte das Land Oberösterreich an, in den Gemeinden Chroniken zu führen. So begann im Mai 1928 der Gemeindesekretär Max Laminger mit Aufzeichnungen.
Lamingers Verdienst war es, auch die Zeit ab 1850, dem Gründungsjahr der Gemeinde, aufzuarbeiten. Er verwaltete die Chronik nach seiner Pensionierung (1938) bis zum Jahr 1964 weiter. Schon 92-jährig übergab er sie dann an den damaligen Amtsleiter Josef Nöhmer.
Josef Nöhmer ergänzte die Aufzeichnungen durch Bilder und Fotos, so dass die Chronik zu einem großartigen Geschichtsbuch von Seewalchen wurde.
1971 wies Regierungsrat Leo Schreiner gegenüber Nöhmer auf einige Lücken der Chronik hin, die er trotz Würdigung der langjährigen und gewissenhaften mühevollen Führung anmerkte. So ergänzte Schreiner auf Ersuchen Nöhmers im Herbst 1971 die Gemeindechronik.
Schreiner war seit 1895 mit kurzen Unterbrechungen jeden Sommer und nach seiner Pensionierung 1956 die meiste Zeit des Jahres in Seewalchen. Aufgrund seiner Erinnerungen und Aufzeichnungen und mithilfe einschlägiger Behelfe ergänzte er die Chronik „aus der Sicht des Sommergastes“. Neben den Ergänzungen verfasste er längere Zusammenfassungen und schrieb diese in das erste handgeschriebene Chronikbuch.
Mit der Pensionierung Nöhmers 1975 begann sein Nachfolger Rudolf Romankiewicz an der Chronik mitzuarbeiten, nach dem Tod Nöhmers 1992 auch der ehemalige Leiter der Hauptschule, Johann Rauchenzauner. Mit dem Tod Johann Rauchenzauners 2021 beendete auch Rudolf Romankiewicz seine Archivarbeit.
Im AtterWiki wird ein Auszug der Texte der Chronik von Seewalchen allgemein zugänglich gemacht. Häufig wird der Originaltext verwendet, gelegentlich werden die Eintragungen durch andere Schriften ergänzt oder es sind Erläuterungen angefügt.
Die Aufzeichnungen dieser Chronik erfolgten durch Laien - die sehr bemüht - was wichtig erschien, in diese Chronik zu schreiben. Die Möglichkeiten von umfangreichen Recherchen, gerade was ältere Aufzeichnungen anlangt, sind aber begrenzt. Und die Eintragungen sind weder vollständig noch können sie einem wissenschaftlichen Anspruch genügen.
Einleitung
(Originaltext von Max Laminger)
Seewalchen = Seewalhin = Seewalhen
„Dem Laciakum der Römer seit dem Jahre 1135 dem Stifte Michaelbeuern einverleibte Pfarre, waren auch die Orte Chemata = Kemating, Einwahlhesdorf = Ainwalchen, Polperc = Buchberg, seit dieser Zeit einverleibte Orte.
Im Jahre 1337 erteilte Konrad von Schaunberg dem Stift Michaelbeuern wegen der Pfarre Seewalchen das Fischrecht am Attersee. 1530 verlieh Kaiser Ferdinand I. dem Franz von Kufstein einige Güter, Gütlein und Untertanen zu Lehen aus der Pfarre Seewalchen.
Bei den Bauernaufläufen 1626-1632 hatte die Pfarre und Herrschaft Seewalchen sehr viel zu leiden.
Im Jahre 1731 starb in Seewalchen der berühmte Odilo von Gunrath als Administrator.
Die Kriegsjahre 1800, 1805 und 1809 brachten auch der Pfarre Seewalchen empfindlichen Schaden.”
In der „Ergänzung zur Chronik“ widerspricht Leo Schreiner (1971) der weitverbreiteten Ansicht, dass Seewalchen das römische Laciacum ist und führt aus, dass es sich dabei um einen Ort in der Gegend zwischen Frankenmarkt und Hörading handeln musste. Diese Ansicht dürfte auch richtig sein.
1850 Errichtung der Ortsgemeinde
(Originaltext von Max Laminger)
- Durch das Gesetz vom 17. März 1849 wird die Konstituierung der Ortsgemeinde beschlossen. Mit Erlass vom 13. Februar 1850 ordnet die o.ö. Statthalterei in Linz die Durchführung dieses Gesetzes unter Berücksichtigung der Zusammenlegung bereits bestehender Katastralgemeinden an. Nach einem Rundschreiben vom 14. Februar 1850 sollten die Katastralgemeinden Hainbach, Kammer, Oberachmann, Litzlberg, Seewalchen, Steinbach, Weyregg und Aurach zusammengeschlossen werden. Dieser Plan kommt jedoch nicht zur Durchführung.
- Am 4. August 1850 beschließt der damalige Gemeindeausschuss die Selbständigkeit der Ortsgemeinde Seewalchen durch Vereinigung der Katastralgemeinden Litzlberg und Seewalchen. Dieser Beschluss wird auch in der Folge aufrecht erhalten.
Ortsgemeinde Seewalchen
- Die Ortsgemeinde Seewalchen umfasst 1661 Seelen (Seewalchen: 945, Litzlberg: 716),
- Die Deckung von Abgaben erfolgt durch Umlagen auf direkte Steuern bzw. durch Zulagen auf direkte Steuern.
- Gewählt wird in 3 Wahlkörpern.
der erste Bürgermeister war Anton Peyr, Papiermüller in der Au-Pettighofen (heute Marktgemeinde Lenzing),
1. Gemeinderat: Franz Holzinger, Bauer in Haining 5,
2. Gemeinderat: Mathias Gugg, Gastwirt in Seewalchen 29. - Aus der am 24. August 1850 begonnenen öffentlichen Rechnung der Ortsgemeinde ist zu entnehmen, dass ein Peter Stadler als Polizeimann mit monatlich fl. 10.--, eine Anna Stadler als Hebamme mit monatlich fl. 2.-- und ein Wegmacher namens Duftschmied mit monatlich fl. 3.-- bestellt wurden.
- Nach einer Rechnung des Tischlers Kratzer kostet ein Sarg samt Kreuz fl. 1.20 xr.
- Im September 1850 wird um Bewilligung um Abhaltung eines jährlichen Viehmarktes angesucht, es sind jedoch keine Dokumente einer Bewilligung vorhanden.
Jedoch ist in alten Kalendern ein Kirchweihfest am Jakobitag (25. Juli) verzeichnet, wurde jedoch in späteren Jahren wieder aufgelassen.
Chronik der Marktgemeinde Seewalchen |
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1850 - Beginn der Aufzeichnungen - Übersicht 1851-1880 | 1881-1900 | 1901-1920 |
Die Jahre 1851 bis 1860
1851 und 1852.
- Auf die direkten Steuern werden 10% Umlage eingehoben. Die Umlagen bestehen aus Pfarr-, Schul-, Gemeinde- und Armenumlagen. Dem Pfarrsprengel sind einverleibt aus der Gemeinde Berg die Ortschaften Baum, Brandham und Rubensdorf, aus der Gemeinde Timelkam die Ortschaften Arnbruck, Ulrichsberg und Thal.
Armenpflege
(Originaltext von Max Laminger)
Bis zum Jahre 1880 war der Wirkungskreis der Armenpflege nicht die Ortsgemeinde sondern die Pfarrgemeinde. Die gebräuchlichste Art der Armenversorgung für vollständig Erwerbsunfähige war die Armeneinlage in Natura - Verpflegung von Haus zu Haus. In der Gemeinde wurde die Naturaleinlage im Jahre 1896 aufgelassen. Der letzte Einleger war ein gewisser Kliemstein, von Beruf Schleifer, welcher infolge seiner Unreinlichkeit und seines boshaften Charakters eine Hauptursache war, dass von dieser mittelalterlichen Einrichtung in der Gemeinde Seewalchen Abstand genommen wurde. Die Trennung des Armenfondsvermögens der Pfarrkirche erfolgte 1881 durch Teilung der Ortsgemeinden Seewalchen und Berg.
Rechnungsabschluss der Gemeinde 1852 (24.8.1850-31.12.1852): Einnahmen: fl. 1238.33 xr. Ausgaben: fl. 1162.30 xr. (fl. = Gulden, xr = Kreuzer)
1853
- Infolge der Aufhebung der Untertans- und Zehentleistung waren an die Herrschaften Ungenach zu Kammer-Puchheim, an den Amthof Seewalchen, Pfarrhof Seewalchen, Pfarrhof Schörfling und Straßwalchen und das Weissenburgeramt von den ehemaligen Untertanen Ablösungsbeträge zu leisten, welche von einigen Besitzern die Höhe von über fl. 200 erreichten, und im Jahre 1853 noch ziemliche Rückstände waren, sodass, wie aus Rechnungen ersichtlich, die Exekutionsorgane sehr viele in Einquartierung lagen. Deren Löhne und Verpflegung musste von den rückständigen Parteien aufgebracht werden.
1855
- Gemeindevorsteher 1855-1858: Franz Holzinger, Bauer in Haining Nr. 5.
- Mit Circularerlasse vom 12.7.1855 des Kreisvorstandes Wels wird die Regierungsverordnung vom 13.7.1786 betreff Verbot „blauer Montage“ für Gesellen und Lehrlinge bei fl. 10,-- Strafe im Betretungsfalle in Erinnerung gebracht.
1856
- Die Pfarrgemeinde Seewalchen erhält eine neue Glocke laut Rechnung des Glockengießers Franz Oberascher in Salzburg um den Betrag von fl. 121.--.
1857-1860
- Gemeindevorsteher 1858-1861: Anton Hofmann, Brauereibesitzer in Litzlberg 14.
- Kaiserliches Patent über die Bestimmungen des Münzwesens. Nach fast 100 Jahren geht Österreich von der Conventionswährung ab.
Die Überrechnung beträgt: 100 fl. C.W. = 105 fl. ö.W. (ö.W. = österreichische Währung). - Die Elisabeth-Westbahn von Linz nach Salzburg wird gebaut.
Die Jahre 1861-1870
1861
- Gemeindevorsteher 1861-1864: Johann Reibersdorfer, Schneidermeister in Seewalchen Nr. 50 (Hauptstr. 11).
- Am 30.7.1860 wird Karl Streicher als Gemeindebeamter mit mon. 7 fl. und Johann Idlhammer als Gemeindediener mit 6 fl. bestellt.
1862
- Der schadhafte Dachstuhl des Kirchturmdaches wird ausgebessert, das Dach wird mit Lärchenschindeln eingedeckt und mit Blech verkleidet. Kirche und Turm werden neu angeworfen. Die Gesamtkosten betragen 2160 Gulden. Am 11. August 1862 werden Kugel und Kreuz wieder aufgerichtet.
(Seit diesem Jahr werden Urkunden in die Kugel unter dem Kreuz gegeben.)
1863
- Aus unbekannter Ursache brennen am 19.12.1863 die Häuser Nr. 1, 2, 3, 5, 9, 12, 13, 14 und 38 in Steindorf vollständig nieder.
Rückblick
(Originaltext von Max Laminger)
Seit dem Jahre 1850 als der Zwang der Robot und der Zehent aufgehoben, die Konstituierung der politischen Gemeinde beschlossen und die Gemeinde Seewalchen mit dem Sitz des Gemeindeamtes in der Ortschaft Seewalchen mit den umliegenden 17 Ortschaften errichtet war, waren 13 Jahre verflossen, ohne dass von den 1850 bestandenen 68 Häusern nur um 1 Haus vergrößert wurde oder eine merkliche Veränderung an den meist mit Lagerdachung versehenen Häusern zu bemerken war. Das Seeufer des Attersees war an keiner Stelle längs der Ortschaft von den einschlagenden Wellen bei Sturmwetter geschützt und es war kein Weg am Ufer erkennbar.
Die einheimische Bevölkerung des Ortes sowie der Gemeinde, an den alten Vorurteilen ihrer Eltern stur hängend, konnte es nicht einfallen andere Verhältnisse herbei zu führen und selbst das Stift Michaelbeuern nach dem großen Brand des Amthofes im Jahr 1860 war nur bestrebt, den Amthof und das Wirtschaftsgebäude nebst die großen landwirtschaftlichen Gründe wieder lebensfähig zu machen und sich um die vernachlässigten Verhältnisse nicht zu kümmern. Obwohl durch Einheirat und notwendige Ergänzung der Gewerbetreibenden ein kleiner Zuzug von Fremden, von den Einheimischen als „Zugroaste“ bekannt, wohl die Absicht hatten, bessere Verhältnisse herbei zu führen, konnte das Misstrauen der Alteingesessenen sowie der Umstand, dass die Fremden erst nach zehnjährigem, ununterbrochenen Aufenthalte die Heimatberechtigung in der Gemeinde erlangen konnten - mussten sie ihre berechtigten Wünsche, eine Vergrößerung und eine Verschönerung des Ortes zu erreichen mit der Hoffnung auf spätere und längere Jahre zurückstellen und auch die übrigen Ortschaften des Attersees die gleichen Ansichten hatten.
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1864
- Inventar der Gemeinde:
- 1 weicher Tisch: fl. 2,--
- 2 weiche Sessel: fl. 2,--
- 1 Schriftenkasten: fl. 6.--
- Schreibzeug: .30 xr.
- Siegel und Farbe: fl. 3.--
- Gesetzblätter und Bücher: fl. 4.--
- Gemeindemappe auf Papier: fl. 5--
- zusammen: fl. 22.30 xr.
- Straßenschanzzeuge:
- 1 Sandgitter: fl. 3.--
- 1 eiserne Schaufel: .50 xr.
- 1 Krampen: .70 xr.
- 1 Kotscherer: .30 xr.
- 1 Steinhammer: .30 xr.
- zusammen: fl. 9.80 xr.
- Summe der Fahrnisse (bewegliche Güter) : fl. 32.10 xr.
- Im Jahre 1864 wird das Feuerwehrwesen an Hand der Gemeindeordnung im Gesetz verankert.
- Jagdpacht: 50 fl. jährlich; Jagdpächter Felix von Pausinger, Herrschaftsbesitzer in Kogl.
1865
- Es wurden folgende Entschädigungen beschlossen:
Bürgermeisterbesoldung pro Jahr: fl. 72.--
Kanzleimiete im Haus Seewalchen Nr. 50: fl. 20.--
Gemeindebeamter monatlich: fl. 7.--
Gemeindediener monatlich: fl. 6.--
Fleischbeschauer jährlich: fl. 30.--
Nachtwächter jährlich: fl. 10.--. - 15.7.1865: Beim Bauerngute des Karl Hausjell, Seewalchen 48 (Moserbauer), entsteht ein Brand, welchem das ganze Objekt zum Opfer fällt.
Nur durch die Windstille und die aufopfernde Beihilfe der Bewohner ist es möglich, die umliegenden Häuser Nr. 29, 49 und 47 zu retten.
Rechnungsabschluss der Gemeinde 1865: Einnahmen: fl. 1103.33 xr. Ausgaben: fl. 701.06 xr.
1866
- Nach dem Tode des Schulleiters Josef Streicher wird Johann Mayr als Schulleiter der einklassigen Volksschule ernannt (1866-5.9.1872).
Die Witwe nach dem verstorbenen Josef Streicher erhält eine von der Gemeinde geleistete Pension von 80 fl. jährlich. - Es wird beschlossen, für Verwundete der Gemeinde eine Sammlung zu veranstalten und zur unentgeltlichen Heilung in Pflege zu übernehmen.
- Im Jahre 1866 wird die Gemeinde Seewalchen vom Hagelschlag betroffen.
- Im Jahre 1866 brennt das Haus Nr. 6 in Gerlham ab.
1867
- Im Jahre 1867 hat die Ortschaft Seewalchen 68 Häuser.
- 19.6.1867: Kaiser Maximilian von Mexiko, ein Bruder Kaiser Franz Joseph I., wird in Querétaro erschossen.
Der spätere Besitzer der Insel Litzlberg, Baron Eduard Springer, war der ständige Begleiter des Kaisers Maximilian in Mexiko. - 28.8.1867: Als Nachtwächterpauschale werden jährlich fl. 10 bewilligt.
1868
- 16.8.1868: Der Brandschaden-Versicherungs-Verein der Pfarrgemeinde Seewalchen wird gegründet und mit 1. Jänner 1866 rückwirkend. Ab April 1868 werden die Prämien eingehoben.
Der Obmann des Vereines ist Anton Hofmann, Brauer in Litzlberg Nr. 14. - 31.10.1868: Die Erteilung des Ehekonsens aufgrund des Ehekontraktes seitens der Gemeinde wird aufgehoben.
Bis dahin konnte die Gemeinde die Zustimmung zu einer Ehe verweigern, wenn kein Verdienst oder keine Arbeit nachweisbar war, die Sitten verletzt wurden oder Krankheit vorlag. - 31.12.1868: Über behördliche Verfügung muss ein Gemeindearrest beschlossen werden und wird bei Michael Idlhammer, Seewalchen Nr. 47, mit jährlich fl. 12.-- Zins zu diesem Zwecke ein Lokal gepachtet.
- Amthofverhalter und Pfarrer P. Gregor Mödlhammer lässt die Pfarrkirche restaurieren.
1869
- 27.6.1869: Es wird beschlossen, das Eigentumsrecht des Attersees zu behaupten und keinen Grund hievon abzuverkaufen.
- 27.7.1869: Franz Achleitner in Kraims kauft von Felix von Pausinger das Fischrecht im Steindorfer-Kraimserbach um fl. 52.50 xr.
- 28.8.1869: Es langt das erste Dampfschiff für den Attersee in Kammer ein, welches durch Schießen und Läuten feierlich empfangen wird. Es ist ein kleiner Schraubendampfer, der „Ida“ benannt wird.
1870
- Mit dem Jahre 1870 beginnt der Streit um das Eigentumsrecht des alten Schulhauses (Mesnerhaus, Kirchenplatz 2) und endet dieser Streit zu Gunsten des Stiftes Michaelbeuern im Jahre 1894.
- 1.8.1870: Bei der stattfindenden Neuwahl der Gemeindevertretung wird Josef Leitner, Bauer in Reichersberg, als Gemeindevorsteher für die Jahre 1870 bis 1873 gewählt.
- 1.9.1870: Der Archäologe Ladislaus Gundacker Graf Wurmbrand entdeckt in der Nähe des Stallinger-Anwesens (Atterseestr. 27) beim Ausfluss des Sees erstmals in Österreich Pfahlbaureste.
- Im Jahre 1870 wird die Gemeinde Seewalchen von starkem Hagelschlag betroffen. Die Kosten der Zehrung für die Schadensaufnahme sind in der Gemeinderechnung mit fl. 17.66 xr. ausgewiesen.
Rechnungsabschluss der Gemeinde 1870: Einnahmen: fl. 990.71 xr. Ausgaben: fl. 809.04 xr.
Die Jahre 1871-1880
1871
- Im Jahre 1871 wird das Haus Nr. 57 in Seewalchen (Christ-Villa, Promenade 5) durch Herrn Karl Rosenauer als Villa umgebaut und für den Sommeraufenthalt eingerichtet.
- Im Jahre 1871 wird infolge Sprunges einer Glocke die Anschaffung von 3 neuen Glocken beschlossen. Im Jahre 1872 erfolgt die Weihe und der Aufzug der Glocken. Diese Glocken (1037 kg, 512 kg und 318 kg) haben ein harmonisches Geläute und werden am 21.3.1917 aus Anlass der Metallsammlung für Kriegszwecke abmontiert und abgeliefert.
1872
- Johann Sompeck ist vom September bis November provisorischer und dann bis 1.6.1878 wirklicher Schulleiter. Ab Februar 1872 wird die Schule zweiklassig geführt. Als Unterlehrer wird Georg Haulbersch angestellt, er bleibt bis 1874. Die zweite Klasse ist im Pfarrhof Seewalchen mit fl. 40.-- Jahreszins untergebracht.
- 1.3.1872: Die Auflassung des Schulgeldes wird beschlossen.
- 3.3.1872: In Schörfling wird ein Gendarmerieposten, der auch für Seewalchen zuständig ist, errichtet.
1873
- Gemeindevorsteher: 1873-1876: Josef Leitner, Bauer in Reichersberg.
- Im Jahre 1873 herrscht in der Umgebung starke Blatternepedemie. Seewalchen bleibt bis auf einige unbedeutende Fälle verschont.
1874
- 1874 wird die Schmidt-Villa vollendet.
Khevenhüller-Kapelle
- Am 15.4. wird die Erbauung einer Familiengruft für die Familie Horváth-Kammer bewilligt und im gleichen Jahr erbaut.
Nachdem diese Gruft in Form einer Kapelle von der Familie Horváth nicht in Anspruch genommen wurde, wird dieselbe vom Veteranenverein 1917 als Kriegerdenkmal ausgestattet und besteht seither als solches für die Gefallenen im Ersten Weltkrieg.
Aus den Prozessakten „Friedhof-Schulhausstreit“ geht hervor, dass die Mutter des Schlossbesitzers Horváth in dieser Gruft in Seewalchen begraben wurde. Die Mutter des Besitzers von Schloss Kammer Frau von Horváth ist am 6.7.1874 an Blattern verstorben. Aus unbekannten Gründen wird jedoch die Leiche nicht am Schörflinger Friedhof geduldet, weshalb das Grab über Nacht offenbleibt.
Am nächsten Tag kommt der Bote des Herrn von Horváth, namens Anton Bodenwieser, im Namen seines Herrn mit dem Ersuchen, die Leiche der Frau v. Horváth in Seewalchen bestatten zu lassen. Herr v. Horváth hat für den Fall der Zustimmung, für die Armen der Gemeinde eine größere Spende und zum Schulbau 25 Baumstämme angeboten. Vom Bürgermeister wird die Zustimmung erteilt. Über dem Grab wird schließlich die Kriegerkapelle errichtet. - Das Kriegerdenkmal wurde am 6.11.2000 abgerissen.
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1875
- 1.2.1875: Der Attersee wird als öffentliches Gut eingestuft.
- 16.3.1875: Mit Beschluss des Gemeindeausschusses werden für ihre Verdienste wegen Freilassung des Attersees als öffentliches Gut zu Ehrenbürgern der Gemeinde Seewalchen ernannt:
Dr. Ritter von Chlumetzky, Ackerbauminister,
Dr. Karl Graf, Bezirkshauptmann in Vöcklabruck,
Dr. Adolf Dürnberger, Hof- u. Gerichtsadvokat in Linz.
Die Gemeinde wird dadurch von der Grundsteuer für den See befreit. - Im Jahre 1875 werden die Druschgemeinschaften Steindorf und Seewalchen gegründet.
(1976 beschloss der Druschverein, sein gesamtes Inventar der Frw. Feuerwehr Seewalchen zur Verwertung zu übergeben).
Rechnungsabschluss der Gemeinde 1875: Einnahmen: fl. 14032.04 xr. Ausgaben: fl. 12498.16 xr.
1876
- Gemeindevorsteher 1876-1879: Mathias Holzinger, Bauer in Haining Nr. 5.
- Von 1876 - 1880 wirkt als Pfarrer P. Nikolaus Gründinger.
- Im März 1876 herrscht Hochwasser. In Attersee wird die Straße nach Seewalchen durch eine Hangrutschung verlegt.
- 8.8.1876: Der Blitz schlägt in das Mayr-Gut in Arnbruck, später Arbeiterwohnhaus der Lenzing AG, ein und äschert es ein.
- Das alte Schulhaus Seewalchen (Mesnerhaus, Kirchenplatz 2) wird nach der Fertigstellung der neuen Volksschule als Gemeindekanzlei verwendet.
- Im Jahre 1876 herrscht große Kälte. Der Attersee ist vom 12. auf 13. Februar bei 16 Grad R. (=Reaumur) zugefroren.
Schulbau
Durch die Einführung der 8-jährigen Schulpflicht erwies sich die zweiklassige Volksschule zu Seewalchen zu klein, da schon 1872/73 die Schülerzahl auf 261 gestiegen ist.
Im Oktober 1873 erging vom Landesschulrat eine Aufforderung an den Ortsschulrat, eine Kommission wegen der Errichtung eines Schulbaus zu gründen. Der Kommission wurden drei Bauplätze angeboten, da aber diese zu teuer waren, entschloss man sich das alte Schulhaus entsprechend zu erweitern. Am 12. Februar 1874 kam man jedoch mit Herrn Josef Kletzl wegen eines Schulgrundes ins Gespräch. Im Herbst des Jahres wurde der neue Schulbau in Angriff genommen, nachdem die Schulgemeinde ein unverzinsliches Landesdarlehen aus dem oberöst. Landesschulden-Tilgungsfonde im Betrag von 9500 fl. aufgenommen hatte. Dieses Kapital sollte oder musste vielmehr in 20 Raten zu 475 fl. vom Jahre 1877 an zurückgezahlt werden.
Aus der Schulchronik:
Den Bau leitete Baumeister Herr Mathias Ströbl von Schörfling... Der gesamte Schulbau kostete 15.086.76 fl, samt Einrichtung: 17.516 fl. Im Jahre 1876 gegen Ende April war der Bau soweit fortgeschritten, dass die I. Klasse daselbst untergebracht werden konnte. Für die II. Klasse wurde noch das alte Schulgebäude benützt.
Im Monate Juli wurde der Gesamtbau bis auf die Gartenanlage fertig, die Eröffnung der neuen Schule konnte vor sich gehen.
Leider ist es zu bedauern, dass eine feierliche Eröffnung des Schulhauses aus lokalen Gründen unterbleiben musste.
Dafür veranstaltete der Zweiglehrerverein Vöcklabruck gelegentlich seiner Jahresversammlung am 25. Oktober 1876 eine diesbezüglich kleine Gedenkfeier, welche in unserem Schulgebäude abgehalten wurde. Nach einem gemeinschaftlichen Mittagsmahle belebten Gesänge und Toaste verschiedener Art das gesellige Zusammensein, bis der hereinbrechende Abend die Versammlung zum Aufbruch mahnte. Zwanzig Lehrer und Lehrerinnen hatten sich eingefunden, darunter auch Gäste aus der Umgebung.
Die Vollendung des Baus wurde am 28.10.1877 dem oö. Landesamt angezeigt.
Bis 1972 war die Volksschule, dann von 1973 bis 1983 die Hauptschule und seit 1991 ist die Landesmusikschule in diesem Haus untergebracht.
1877
Villa Paulick
Friedrich Paulick (1824 -1904), k.u.k. Hoftischler, erbaute sich 1877 in Seewalchen eine Villa, die er zu einer Sehenswürdigkeit ausgestaltete.
Die Pläne stammten von den Wiener Architekten Professor Rudolf Feldschareck und Professor Karl Könige.
In der Villa baute Paulick Teile des Kaiser-Pavillons der Wiener Weltausstellung 1873, den er hergestellt hatte, als Salon ein. Ein Arbeitskabinett, das auf der internationalen Ausstellung, gleichfalls von Paulick ausgeführt, zu sehen war, diente als Bibliothek. Bauteile und das ganze Material wurde mit Pferdefuhrwerken von der Bahnstation Timelkam nach Seewalchen transportiert.
Die Baukosten betrugen, wie in der Familie erzählt wird, 80.000 fl.
Die Villa wurde von vielen Persönlichkeiten, einmal auch von Erzherzog Johann (Orth), besucht.
Nach dem Tode Friedrich Paulicks ging die Villa in den Besitz der ältesten Tochter Therese über, die später den Prokuristen Hermann Flöge heiratete.
- 1.5.1877: Dem Gemeindebeamten Mathias Holzwieser wird sein Gehalt pro Monat von fl. 17.-- auf fl. 20.-- erhöht. Für Steuereinhebung an Sonntagen werden 8 xr., an Wochentagen 6 xr. bewilligt.
Gründung der Feuerwehr
Am 2. November 1877 werden die Statuten der neu gegründeten Freiwilligen Feuerwehr Seewalchen genehmigt.
- Gründer der Frw. Feuerwehr waren:
Lehrer Johann Sompeck,
Brauer Josef Hofmann, Feuerwehrhauptmann,
Tischlergehilfe Johann Deutsch,
Bäckermeister Georg Pfeffer,
Tischlermeister Franz Köstler, Feuerwehrhauptmann-Stellvetreter.
Innerhalb kurzer Zeit gelingt die Anschaffung einer kleinen hölzernen Feuerspritze.
Es ist eine große hölzerne Spritze mit befestigtem beweglichen Stahlrohr ohne Schlauchverwendungsmöglichkeit. Die Wasserzubringung erfolgt mittels imprägniertem, leinernen Wasserkübeln. Die links und rechts der Feuerspritze angebrachten schweren Pumpstangen werden von Hand aus bedient.
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1878
- 15.10.1878: Zum definitiven Schulleiter wird Herr Adolf Gattringer an der dreiklassigen Volksschule Seewalchen bestellt. Derselbe bleibt bis zum Jahre 1904.
1879
- Für die Periode 1879 - 1882 wird als Gemeindevorsteher Wolfgang Starzinger, Bauer in Kraims 2, gewählt, nachdem er im Dezember stirbt, wird für die restliche Periode Bernhard Aigner, Neubrunn 4, gewählt.
- 27.10.1879: Das Auszughäusl „zum Lacher Toffn“ in Roitham brennt nieder.
- Vom 1.-29. Dezember herrscht große Kälte, der Attersee ist bei 16 Grad R (=Reaumir) zugefroren.
1880

Die Villen Schmidt, Paulick und Christ sind zu sehen, das Eschenhaus steht noch nicht.
- 11.11.1880: Die öffentliche Armenpflege erfolgt nun an Stelle der Pfarrgemeinde durch die politische Gemeinde. Armenvater wird Josef Mayr, Seewalchen 49 (Koaser, Hauptstraße 7).
- Im Jahre 1879/80 tritt in den ganzen mitteleuropäischen Staaten die Krebspest auf, sodass im Jahre 1880 in allen Gewässern die Krebse aussterben. Erst durch Legen neuer Brut ist wieder ein neuer Nachwuchs entstanden, welcher jedoch an den früheren Stande nicht heranreicht.
- In diesem Jahr wird die Totenkammer auf dem Friedhof erbaut.
- Der Attersee ist im Winter 1879/1880 für 30 Tage zugefroren.
- Der Schuhmacher Franz Achleitner aus Kraims gründet den Musikverein Seewalchen.
- Im Jahr 1880 beginnt Johann Gebetsroither in Unterbuchberg mit dem Bau von Plätten.
Einige Zahlen Die Gemeinde Seewalchen hat nach dem Stande der Volkszählung 1880 insgesamt 1929 Personen.
Rechnungsabschluss der Gemeinde 1880: Einnahmen: fl. 4994.52 xr. Ausgaben: fl. 4080.85 xr.
Chronik der Marktgemeinde Seewalchen |
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1850 - Beginn der Aufzeichnungen - Übersicht 1851-1880 | 1881-1900 | 1901-1920 |
Die Jahre 1881-1890
1881
- Im Jahre 1881 erfolgt die Trassierung wegen Erbauung der Vöcklabruck-Kammer-Bahn, wobei wegen verweigerter Grundabtretung einiger Besitzer die Enteignung erfolgt.
1882
- Gemeindevorsteher 1882-1885: Anton Stallinger, Sägemüller in Pettighofen 14.
- 16.4.1882: Mit Gemeindeausschussbeschluss wird Herr Anton Peyr, ehemaliger Papiermüller in der Au, in Würdigung seiner Verdienste als 1. Bürgermeister zum Ehrenbürger der Gemeinde Seewalchen ernannt.
Peyr war auch Abgeordneter zum Reichstag in Kremsier 1848. - 30.4.1882: Feierliche Inbetriebnahme der „k.u.k. Priv. Localbahn“ Vöcklabruck-Kammer mit einem Jubiläumszug: Wien-Kammer. Am nächsten Tag beginnt der reguläre Betrieb.
1883
- Der Amthof wird an den ehemaligen Schlossherrn von Starhemberg, Rudolf Seyrl, Haag a.H., verkauft. Wirtschaftliche Überlegungen dürften zu diesem Entschluss des Klosters Michaelbeuern geführt haben.
Einige Joch kommen zum Pfarrhof, aber zur Verbuchung ans Stift Michaelbeuern.
Der Kaufpreis beträgt fl. 32.000.-- öst. Währung.
Amthof
(Originaltext von Max Laminger)
- Der Amthof Seewalchen war im jahrzehntelangen Besitze des Stiftes Michaelbeuern, verwaltet von den jeweiligen Pfarrern der Pfarre Seewalchen, welche neben der Seelsorge für ihre Pfarrkinder nur nebenbei sich der Verwaltung des großen landwirtschaftlichen Betriebes widmen konnten, und so nach und nach ein offensichtlicher Rückgang der Erträge dieses so schönen Besitzes eintreffen musste. Alle möglichen und unmöglichen Arbeitskräfte wurden für die landwirtschaftlichen Arbeiten eingestellt, ohne Prüfung deren Leistungsfähigkeit, so wurden auch unter anderem für die Erntedruscharbeiten Drescher in langjähriger Verwendung durch die dem Amthof umliegenden Häuseln, welche infolge der langjährigen Einstellung der Besitzer als Drescherhäusl bekannt waren, eingestellt. Zur Druschzeit zogen die Drescher ihre breitgehaltenen Raschschuhe an, welche die entsprechenden Weiten und Größen hatten und begannen den Drusch mit gewohntem Pflichteifer.
- Sie konnten nicht verhindern, dass bei „eifriger Arbeit“ sich auch die leeren Stellen der Raschschuhe mit dem Getreide füllten, so dass sie gezwungen waren, sehr oft an den Druschtagen sich zu ihren Häuserln zu bemühen, um durch Entleeren und Reinigen der Raschschuhe für ihre Füße Platz zu schaffen und so ihrer Pflicht als Drescher wieder nachkommen zu können.
- Natürlich konnte man den Dreschern nicht zumuten nach Druschendigung das in ihren Häusln angesammelte Getreide, das ohne ihr Zutun sich in den Schuhen verirrte, in den Amthof zurückzubringen, sondern zum eigenen Lebensunterhalt zu verwenden. Es ist selbstverständlich, dass dieser Vorgang der Getreideverirrung nur ein kleiner Auszug der verschiedenen anderen Vorgänge, die das Erträgnis des Amthofes nicht förderten, ist, so dass das Stift Michaelbeuern beschloss, das Gut samt den zugehörigen Gründen an den Herrn Gutsbesitzer Rudolf Seyrl in Haag a. H. zu verkaufen.
- Der neue Besitzer des Amthofes schaffte sofort Ordnung durch Einstellung geschulter landwirtschaftlicher Dienstboten sowie eines tüchtigen Maurers.
- Natürlich waren durch diese Einstellungen alle früheren Angestellten einschließlich der Drescher ihrer Arbeit enthoben. Die so lange Jahre in Verwendung gestandenen Raschschuhe konnten infolge Alter keine Verwendung als Schuhbekleidung finden, so wurden dieselben zu Hühner-Legenestern zugerichtet und es soll dem Vernehmen nach den Hühnern gelungen sein, während des Eierlegens noch Körner aus den ehemaligen Raschschuhen herauszupicken.
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1884-1885
- Im Jahre 1884 wird die Haltestelle Siebenmühlen errichtet.
- Gemeindevorsteher 1885-1888: Franz Stigler, Bauer in Kemating Nr. 7.
- Von 1885-1889 wirkt als Pfarrer P. Modest Lienbacher.
- Im Jahre 1885 ist großer Hagelschlag in der Gemeinde und werden aus dieser Ursache Steuerabschreibungen in der Höhe von fl. 1075.44 xr. seitens des Steueramtes Vöcklabruck vorgenommen.
Restaurierung der Pfarrkirche
- Mit der Restaurierung der Pfarrkirche wurde begonnen und im Jahre 1887 beendet. Die Kosten des neuen Hochaltars betrugen fl. 1400, die der Kanzel fl. 500.
- In der Chronik wurde der frühere Altar als in „Zopfstil“ [soll heißen Barockstil] erbaut bezeichnet und geschildert als ein „Konglomerat“ von hässlichen Statuen und Vasen, von wurmstichigen, von Zeit zu Zeit herabstürzenden Verzierungen und Brettern und massiven Balken. Die Seitenaltäre waren um nichts besser.
- Die Skizze zum neuen Hochaltar entwarf Kunsttischler Karl Maurer von Linz und diese wurde verbessert und abgeändert durch den Domarchitekten Otto Schirmer aus Linz. Der alte Altar wurde Ende Juni 1887 abgetragen und das mittlere Fenster ausgebrochen. Der jetzige Hochaltar wurde am 26. Juni 1887 geweiht. Die neue Kanzel stammt von Linzinger aus Linz.
- Große Wohltäter der Kirche sind an den Fenstern verewigt, zum Beispiel Theresia Schachl, Auszugbäuerin von Ainwalchen, Anton Stallinger, Kleinmüller von Siebenmühlen-Pettighofen, Anna Maria Ebetsberger, ledige Bauerntochter vom Starzbauerngute in Gerlham, der Jungfrauenbund, Theresia Paulick, Villenbesitzerin aus Wien, und ungenannte Spender. Das dritte, auf der Nordseite des Presbyteriums gelegene Fenster mit einem lieblichen Engelsköpfchen (Paulick-Fenster) wurde von der Firma Geyer in Wien hergestellt, während die übrigen von Rudolf Schadmayr in Salzburg angefertigt wurden.
- Die Herz-Jesu-Statue spendete Anna Maria Ebetsberger (Gerlham), auch im Namen ihrer Angehörigen und die „Immaculata“ die Egger-Geschwister (Steindorf).
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- 5.5.1885: Aus unbekannter Ursache brennt das Anwesen „Bauer in Baum“ nieder.
- Im Jahre 1885 wird die Kapellermühle an der Ager versteigert. Der neue Besitzer heißt Raudaschl (seither Raudaschlmühle).
Rechnungsabschluss der Gemeinde 1885: Einnahmen 1885: fl. 3078.80 xr. Ausgaben: fl. 2200.24 ½ xr.
1886
- Im September ertrinkt beim Baden im Attersee Mathias Mayr, Bauernsohn vom Koaserbauerngut. Er badete gewöhnlich unter der Bäumler-Villa und stand im Alter von ca. 80 Jahren.
Der Verunglückte hatte 50 fl. zur Kirchenverschönerung vermacht, welcher Betrag zur Anschaffung des Fensters nächst der Sakristei verwendet wurde.
1887
- 19.5.1887: Die Maria-Lourdes-Kapelle in Kraims wird eingeweiht. Der Bauernsohn Wolfgang Starzinger, gestorben am 9. Juni desselben Jahres, hat es von seinem Heiratsgute erbauen lassen.
- Im Juni 1887 brennt das Anwesen Kroiß, Ainwalchen 13, bis auf die Grundmauern ab.
- Im September 1887 brennt das Anwesen der Mathias Mühlbacher, Kraims Nr. 6, bis auf den Grund nieder.
- Friedrich Paulick lässt an Stelle eines baufälligen Bauernhauses (Nr. 54) [Botenhäusl auch Reifhaus] eine Villa, das Eschenhaus (Promenade 8) ausschließlich für Sommerwohnungen erbauen.
1888
- Gemeindevorsteher 1888-1891: Michael Aicher, Bauer in Buchberg 9.
- Im Jahre 1888 wird die Gemeinde von Hagelschlag betroffen.
1889
- Von 1889-1893 wirkt als Pfarrer P. Wolfgang Stockhammer.
- 14.1.1889: Nachts um 10 Uhr brennt das Brauhaus in Litzlberg ab. Der Brand im Brauhaus entsteht durch Selbstzündung des Malzes auf der Darre. Sud- und Wohngebäude fallen dem Feuer zum Opfer. Die Stallungen werden mit Not gerettet. Wäre rechtzeitig eine Handspritze zur Verfügung gestanden, so hätte das Brauhaus leicht gerettet werden können, da der brennende niedere Torbogen, welcher den Brand vermittelte und fortsetzte, leicht abzudämpfen gewesen wäre.
Der Sohn der Herrschaft Kammer, Husarenleutnant Anton Baron Horváth, stürzt bei einem scharfen Ritt zur Brandstatt und zieht sich eine Verletzung zu, der er aber keine Beachtung schenkt. Er hilft eifrig bei den Bergungsarbeiten mit. Wenige Tage später erliegt er einer Blutvergiftung. Sein Grab befindet sich links vom Haupteingange der Pfarrkirche Schörfling. - Im März beginnen die Aushebungsarbeiten für die Errichtung der Wirtschaftsgebäude beim Pfarrhof. Ende Juni stehen die Gebäude, aber zu klein, daher muss dann noch ein hölzerner Bau an der Straße errichtet werden.
1890
- Anfang des Jahres herrscht die „Influenza“ (Grippe), so dass in sämtlichen Häusern zu gleicher Zeit die Leute liegerhaft werden.
- 15.2.1890: Das Aberlbauerngut in Steindorf Nr. 25 brennt ab.
- Im Mai Hagel, im Juli Hagel und Wolkenbruch, am 14. August wieder Hagel.
- 22.7.1890: Ein Blitz schlägt während des sonntäglichen Hauptgottesdienstes in den Kirchturm, glücklicherweise ohne zu zünden.
- 26.7.1890: Die neue Orgel von Albert Mauracher in Salzburg wird aufgestellt und geweiht. Beim Orgelbau wird auch die Sängerempore um den vorspringenden Teil erweitert.
- 31.7.1890: Feierliche Primiz eines Pfarrkindes, des hw. Herrn Gottlieb Gebetsberger von Haining, derzeit Pfarrer in Theresienfeld in Niederösterreich.
- 1.-6.9.1890: Der Attersee tritt infolge Hochwasser an vielen Stellen aus den Ufern.
Volkszählung 1900
(aus der Pfarrchronik)
In der letzten Dezemberwoche 1890 wird durch Kooperator Pater Coelestin, Schulleiter Gattringer und Lehrer Hebmüller (?) die allgemeine Volkszählung von Haus zu Haus vorgenommen.
Ergebnis der Volkszählung: politische Gemeinde Seewalchen: 1623 (1956: 3160) von der politischen Gemeinde Timelkam gehören zur Pfarrgemeinde Seewalchen 129, und von der politischen Gemeinde Berg 125.
Die Pfarrgemeinde Seewalchen zählt also 1877 Seelen davon 70 Protestanten. (Anmerkung: 1956 waren es 368 Protestanten).
Anmerkung: Zum Vergleich zu 1956 ist zu beachten, dass sich die Gemeindegrenzen geändert
haben und viele Heimatvertriebene nach dem 2. Weltkrieg Protestanten waren.
Rechnungsabschluss des Jahres 1890: Einnahmen 1890: fl. 4905.10 xr. Ausgaben; fl. 3680.89 xr.
Die Jahre 1891-1900
1891
- Gemeindevorsteher 1891-1894: Josef Moser, Bauer in Staudach 3.
- In der Zeit vom 17. auf den 18. Jänner 1891 friert der Attersee infolge der grimmigen Kälte zu und bleibt durch 70 Tage als Eisfläche, so dass mit beladenen Fuhrwerken am See gefahren werden kann.
- 30.6.1891: Das Haus Nr. 9 des Josef Leitner in Neißing brennt um 11 Uhr nachts vollständig ab.
- Im Jahre 1891 ist starker Hagelschlag, von dem die ganze Gemeinde verhagelt wird, sämtliche Fechtung (Feldfrüchte) wird vernichtet.
Die Schloßen fallen wie Taubeneier, besonders über Kemating, Staudach, Steindorf, Roitham, Neubrunn, Haidach.
1892
- Im Februar 1892 ist großes Wasser, der Sturm verwüstet die Seewege, Herr Pfeffer Paul, Bäckermeister am See (respektive seine Frau Carolina als Witwe), verkauft das Anwesen und jetzt stehen dort die zwei Villen Lettmayr und Enstein.
- Am 22. Juni 1892 um 8 Uhr vormittags brennt das Bauershaus zu Gerlham des Josef Heistinger (vulgo Draxler) nieder.
- Am 24. August 1892 ist mit 44 Grad R [= ca. 35° C] seit 1797 der heißeste Tag.
- Im Jahre 1892 erfolgt die Gründung einer gewerblichen Kollektiv-Genossenschaft und Krankenkasse für die Gemeinde Seewalchen.
Im Jahre 1920 wird die Krankenkasse mangels der gesetzlich genügenden Mitgliederanzahl aufgelöst. - Im Jahre 1892 werden die Kaisermanöver in Seewalchen und Umgebung abgehalten.
- Im Jahre 1892/93 wird am Amthof Seewalchen durch Herrn Seyrl ein 2. Stockwerk aufgeführt und erhält hiedurch der Bau einen schlossartigen Stil.
- Im Jahre 1892 erhält die Pfarrkirche zwei neue Seitenaltäre vom Bildhauer Rifesser aus Gröden um den Preis von fl. 984.50 xr. (Teile der beiden alten Seitenaltäre werden für die Kirche in Buchberg verwendet).
- 8.9.1892: In Attersee wird der „Verband zur Hebung der Sommerfrischen am Attersee“ gegründet, dem auch der Verschönerungsverein Seewalchen beitritt.
- 21.12.1892: Im Gugg'schen Gasthaus gründen 47 Bürger den Vorschusscassenverein (Raiffeisenkasse) für die Pfarrgemeinde Seewalchen. Zum Obmann wird Carl Leiß, Kalkbrenner in Seewalchen, gewählt. Schrift- und Kassenführer ist der Lehrer Anton Stelzmüller.
1893
- 4.1.1893: Der Gemeindeausschuss stimmt der Errichtung eines Postamtes in Seewalchen nicht zu.
- Der Winter 1893/94 ist sehr streng, 10 bis 20 Grad R.
Von Mitte Jänner anhaltende Kälte, so dass der See Mitte Februar zufriert und erst Anfang April eisfrei wird. Es gibt massenhaft Schnee und Schneestürme. - Der Amthof erhält seine jetzige Ausgestaltung mit zwei Ecktürmen.
„Nordufer des Attersees“
Origialtext von Max Laminger:
Als im Jahre 1848 die Freiheitsbewegung ganz Österreich in Aufruhr brachte, hat auch Graf Khevenhüller, Besitzer des Schlosses Kammer, durch Aufstellung einer Nationalgarde in die Bewegung eingegriffen und dadurch sich die Ungnade des Kaisers und des gesamten kaiserlichen Hofes zugezogen und hiedurch auch das gesamte nördliche Atterseeufer mit samt seinen Bewohnern in Mitleidenschaft gezogen.
Als im Sommer 1893 Kaiser Franz Joseph I. mit dem rumänischen König von Weißenbach aus eine Rundfahrt am Attersee machte, durfte das Dampfschiff nur bis Steinbach fahren und musste dort Richtung Unterach wieder umkehren, damit das verpönte Nordufer nicht erreicht werden konnte. Selbst bei nicht zu umgehenden Durchfahrten des Hofes wurden die Wagen geschlossen und erst nach Passieren von Kammer durften die Wägen wieder geöffnet werden.
Anmerkungen:
- Leo Schreiner: Dieser angebliche Konflikt des Herrscherhauses mit der Familie Khevenhüller-Frankenburg konnte bisher nicht geschichtlich belegt werden.
- August Mayr [Chronist aus Schörfling]: Der Konflikt ging so weit, dass Graf Wurmbrand, der Entdecker der Pfahlbauten es nicht wagte, diese jungsteinzeitliche Epoche „Atterseekultur” zu nennen, die Bezeichnung heißt „Mondseekultur”.
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1894
- Gemeindevorsteher 1894-1897: Mathias Wenninger, Bauer in Steindorf 2.
- 25.1.1894: Der Gemeindesekretär Josef Aicher wird über Verfügung des Gemeindevorstehers Moser wegen Differenzen in der Kassengebarung außer Dienst gestellt. Nachdem jedoch eine gerichtliche Überprüfung die Haltlosigkeit der Beschuldigung ergibt, wird derselbe im Juli 1894 rehabilitiert und wieder in Dienst gestellt.
- Von 1894-1905 wirkt als Pfarrer P. Felix Kohler.
- 28.11.1894: Mit Beschluss des Gemeindeausschusses wird Dr. Hauttmann in Kammer am Attersee als Gemeindearzt der Gemeinde Seewalchen für 3 Jahre mit jährlich fl. 230.-- bestellt.
- 20.1.1895: Der Weg längs des Attersees vom Seewirt bis Deckert (Rosenvilla, Promenade 4) wird als öffentlicher Weg erklärt.
Der Streit ums Schulhaus
Der im Jahre 1870 begonnene Streit zwischen dem Stifte Michaelbeuern und der Gemeinde Seewalchen wegen Eigentumsrecht des alten Schulhauses wurde mit Erkenntnis des Obersten Gerichtshofes vom 14.2.1894 zugunsten des Stiftes Michaelbeuern entschieden und demselben das Eigentumsrecht zuerkannt.
Im Jahre 1894 erfolgte die exekutive Räumung und es wurden sämtliche Registraturakten der Gemeinde, nachdem dieselbe den Abtransport nicht rechtzeitig veranlasste, beim Fenster der im 1. Stock untergebrachten Gemeindekanzlei hinausgeworfen. Mangels einer anderweitigen Kanzlei wurden die Akte im Gasthaus Gugg (jetzt Stallinger) im Vorhause des 1. Stockes untergebracht und hiedurch wertvolle Behelfe der Registratur nicht mehr vorfindlich sind.
Papierfabrik Pettighofen
Im Jahre 1894 erfolgte die Erbauung und Inbetriebsetzung (1.8.1895 [richtig ist: 1.8.1896]) der von den Brüdern Theodor und Emil Hamburger erbauten Holzstoff- und Pappenfabrik durch Ankauf der Mühle und Säge des Anton Stallinger samt zugehörigen Gründen, somit an gleicher Stelle, an welcher die Papiermühle des Herrn Anton Peyr in der Au seit dezenium in Betrieb war, jedoch durch die Konkurrenz der maschinellen Papiererzeugung aufgelassen und in eine Sägemühle umgewandelt wurde.
Die ursprüngliche Anlage der Papierfabrik war sehr primitiv und hat sich durch die vorgekommenen großen Unfälle den Namen „Krüppelfabrik“ zugezogen, bis die Umwandlung der Betriebe Pettighofen und Lenzing in eine Aktiengesellschaft und Umbau derselben mit geeigneten Sicherheitsmaßnahmen die Unfälle verminderten.
Schloss Litzlberg
Im Jahre 1895 kaufte Herr Eduard Springer aus Wien die nächst dem Mayrgute in Litzlberg gelegene Insel von Anton Hofmann und baute auf derselben ein kleines Schlösschen. In den Folgejahren vergrößerte derselbe die Insel durch eine mit Piloten gesicherte Steinumfriedung.
Die Insel war bis zum Jahr 1780 (nach Gilbert bis 1800), in welchem die Gebäude abgetragen wurden, eine Feste mit den dazugehörigen Gebäuden des Mayrhofbauerngutes. Auch diese Gebäude wurden im Lauf der Zeit umgebaut und verkleinert.
Schon im Jahre 1315 schienen als Besitzer der Herrschaft Litzlberg die „Winder zu Windern“ auf und noch im Jahre 1606 lebte ein Wolfgang Winder von Schliemating dortselbst.
Nach einer Grabsteininschrift ist „Frau Anna Katharina Riedlin, Pflegerin zu Litzlberg, anno 1720 den 17 Marty umb ¾ auf 10 h Nacht in Gott seelisch entschlafen ihres Alters im 74-igsten Jahre“.
Nach den noch ersichtlichen Piloten führte auch in früherer Zeit vom Mayrhof zur Insel eine Brücke.
Anmerkungen:
- Angeblich wurde das Abbruchmaterial zum Wiederaufbau des abgebrannten Ortes Schörfling verwendet (Brände in Schörfling 1787 und 1828).
- Nach Erzählungen der Maria Schreiner, geb. Paulick (1865-1937), war die Insel in den Jahren 1880-1890 ein beliebtes Ausflugsziel für Ruderbootpartien. Es wurden dort sogenannte Picknicks veranstaltet, wobei Bier aus dem gegenüberliegenden Brauhause gebracht wurde. Die Insel war damals unbesiedelt, die Brücke wurde erst in späterer Zeit (1917) zum Festland gebaut.
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1895
- 14.-16.8.1895: In Seewalchen und Umgebung finden größere militärische Übungen statt.
Rechnungsabschluss des Jahres 1895: Einnahmen: fl. 4976.57 xr. Ausgaben: fl. 4340.05 xr.
1896
- 13.6.1896: Herr Rudolf Seyrl, Amthofbesitzer in Seewalchen Nr. 1 wird mit Beschluss des Gemeindeausschusses wegen seiner Verdienste um den Ausbau der Ortswasserleitung zum Ehrenbürger der Gde. Seewalchen ernannt.
- Am 1. August 1896 wird die Papierfabrik Pettighofen in Betrieb genommen.
Diese wird 1939 geschlossen. - 5.9.1896: Infolge Blitzschlag brennt das Bauerngut Mayr in Buchberg, wobei die Wirtschaftsgebäude und die Dachung des Heustadels samt Fechsung (= Ernte) vernichtet werden.
- Im Jahr 1896 geht der Consum-Verein-Seewalchen in Konkurs (Kreisgericht Wels).
Der Verein besaß das Haus Seewalchen 27, welches nun von Anton Hackl und 1900 von Georg Kump erworben wurde. Bis 1985 wurde dort eine Gemischtwarenhandlung betrieben.
1897
- Gemeindevorsteher 1897-1900: Georg Sulzberger, Bauer in Seewalchen.
- Hochwasser
Infolge lang anhaltender Regengüsse im Sommer kommt es zu größeren Überschwemmungen in fast allen Ländern. In Vöcklabruck und in Ebensee entsteht großer Schaden.
Der Attersee ist auf Straßenhöhe beim Seewirt aus den Ufern getreten.
Die Promenade ist überschwemmt und kann mit Booten befahren werden. Im Haus Nr. 55 (Schreinerhaus, heute Promenade Nr. 7) steht das Wasser mehrere cm hoch.
Der Weizen kann erst im August eingebracht werden und wächst vor dem Schnitt auf dem Felde aus. Nach Timelkam muss die Wasserwehr der Frw. Feuerwehr Seewalchen zur Hilfeleistung. - Im Juli 1897 ist Fahnenweihe des 1894 gegründeten Mil. Veteranenvereines Seewalchen.
Obmann Josef Mahringer, Protektor Carl Leiß, Fahnenmutter Maria Leiß.
An der Fahnenweihe beteiligen sich sehr viele Vereine aus weiter Umgebung. Die Feldmesse ist am Goldberg bei schönem Wetter.
(Am 8.2.1948 muss das Vereinsvermögen infolge Auflösung des Mil. Veteranenvereins im Wege der Gemeinde abgeführt werden.) - 1897 wird der Verschönerungsverein Seewalchen gegründet.
1898
- Der Winter 1897/1898 ist sehr mild mit wenig Schneefall und im Monat März vorüber.
- Mit dem Jahre 1898 wird die Schule nach Zahlung der letzten Rate des Schulbaudarlehens per fl. 475 schuldenfreies Eigentum der Schulgemeinde Seewalchen.
1899
- Hochwasser
Das Jahr 1899 ist ein nasses Jahr und bringt dem Lande Oberösterreich große Überschwemmungen.
Vom 5. bis 15. September prasseln schwere Regengüsse herab. Der Attersee tritt aus den Ufern. Zwischen Litzlberger Keller und Scheibenhof (Moos 2) kann man auf der Straße mit Ruderbooten bequem fahren. Auch auf der Promenade kann man mit Booten fahren. Das Haus Nr. 55 (heute Promenade Nr. 7) ist überschwemmt, das Wasser steht ca. 30 cm hoch.
Die Ager wird zu einem reißenden Strom. Die Holzjochbrücke über die Ager wird weggerissen und eine „Überfuhr“ mit einem „Trauner“ eingerichtet, wofür man einige Kreuzer zahlen muss. Die Brücke wird als 3jochige Holzbrücke wieder errichtet und erst 1914 als Betonbrücke erbaut. - 10.7.1899: Im Haus Seewalchen 76 (Kirchenplatz 3) wird ein „Sommerpostamt“ in Betrieb genommen (Ganzjahresbetrieb ab April 1905).
Die erste „Postexpedientin“ war Anna Friedberger. Sie hatte ein Gehalt von 320 K. Dazu kamen 120 K Ortszulage, 40 K Amtspauschale und 744 K Dienerpauschale (vermutlich für die gesamte Saison). Die letztere erhielt sie für die Post- und Telegraphenzustellung, den Kanzleidienst, die Briefkastenaushebung und für Botengänge zum Postamt Kammer. Täglich waren 4 Botengänge vorgesehen. - Im Jahre 1899 wird der Helmbaum des Kirchturmes, nachdem dieser durch eindringendes Wasser morsch geworden war, ersetzt. Bei dieser Gelegenheit wird auf die Laterne eine 4 m hohe Pyramide aufgesetzt. Am 15. Oktober erfolgt die Kreuzsteckung.
In der Kugel unter dem Kreuz befindet sich eine Urkunde.
1900
- Gemeindevorsteher 1900-1903: Carl Leiß, Kalkbrenner, Seewalchen 66.
Die Gemeindekanzlei wird im Auszughause Nr. 42 Seewalchen (Kapellenweg 7) samt Isolierlokalitäten um eine jährliche Miete von 50 Kronen gemietet. - 12.9.1900: Die Erwerbung des Anwesens Nr. 46 (Hauptstraße 1) in Seewalchen bei der zu gewärtigenden Versteigerung wird beschlossen.
Quellen
- Chronik der Marktgemeinde Seewalchen
- Diverse Chroniken und Festschriften von Vereinen
- Sitzungsprotokolle des Gemeinderates und Gemeindeausschusses
- Ergänzende Zeitungsartikel
- Seewalchner Marktblatt
- Gemeindezeitungen: Seewalchner Gemeindebote, Seewalchen aktuell
- Adolf Bocksleitner: Seewalchen am Attersee, ein Heimatbuch; Verlag Julius Wimmer, Linz, September 1929
- Hans Dickinger: Geschichte von Schörfling, Marktgemeinde Schörfling am Attersee, 1988
- zusammengestellt bis 2021 von Johann Rauchenzauner
- zusammengestellt ab 2021 von Johann Reiter